Dezember 18:15 Uhr Sprachen:
09 FSU Jena | Carl-Zeiss-Str. 3 | Hörsaal 3 Deutsch
   
Veranstalter: Rollstuhlgerecht:
Dienstag KOMREX Ja

Rechtsextremismus und Hasskriminalität: Eine entwicklungsorientierte Perspektive

Rechtsextremismus und Hasskriminalität werden in der deutschen Gesellschaft nicht erst seit den sogenannten NSU-Morden breit und kontrovers diskutiert. Im Beitrag wird die Position vertreten, dass Rechtsextremismus und Hasskriminalität stärker als bislang unter einer psychologischen und speziell entwicklungspsychologischen Perspektive betrachtet werden sollte. Ausgehend von Arbeiten zur Verbreitung rechtsextremistischer und rechtspopulistischer Einstellungen sowie sozialpsychologischen Arbeiten zu Grundlagen intergruppaler Einstellungen wird auf einen Mangel an Erkenntnissen zur Entstehung derartiger Einstellungs- und Handlungsmuster hingewiesen. In Analogie zur Gewaltkriminalität, bei der eine Entwicklungsperspektive seit nunmehr 30 Jahren erfolgreich zu Erklärungs- und Interventionsansätzen beigetragen hat, wird eine Betrachtungsweise vorgestellt, die rechtsextreme Einstellungsmuster und Hasskriminalität als Ergebnis eines entwicklungspsychopathologischen Prozesses erörtert. Dazu wird zunächst ein Überblick zu längsschnittlichen Befunden zur Stabilität und zu Prädiktoren (Risikofaktoren) gegeben und ein integratives Entwicklungsmodell vorgeschlagen. Auf dieser Basis wird ein Plädoyer für eine entwicklungsorientierte Prävention und Intervention gehalten, um devianten Entwicklungsprozessen vorzubeugen und wichtige interpersonale und intergruppale Prozesse zu stärken. Dieses Plädoyer wird mit empirischen Daten einer eigenen Entwicklungs- und Präventionsstudie sowie mit Daten aus eigenen meta-analytischen Untersuchungen zur Entwicklung und Prävention in diesem Bereich unterlegt.
Referent: Prof. Dr. Andreas Beelmann, Jena