Juni 18:15 Uhr Sprachen:
02 FSU Jena | Carl-Zeiss-Str. 3 | Hörsaal 3 Deutsch
   
Veranstalter: Rollstuhlgerecht:
Dienstag KOMREX Ja

Rechtsextremismus und Gender

Rollenverteilungen, ideologische Themenbesetzungen und Gender-reflektierte Ansätze der Präventions- und Distanzierungsarbeit
 
Die Forschung zeigt wie wichtig die Faktoren Gender, Männlichkeits- und Weiblichkeitsvorstellungen, Familie, Biografie und soziales Milieu bei der Hinwendung sowie bei der Distanzierung von rechtsextremen Szenen sind. Auch wird die Bedeutung von Frauen in diesem Themenbereich gerne unterschätzt. Sie gelten als unpolitische Mitläuferinnen. Allerdings liegt der Frauenanteilin militanten neonazistischen Netzwerken bei 10 bis 30%, Tendenz steigend. Diese Mädchen und Frauen üben oftmals bereits sehr jung brutale physische Gewalt aus und sind Teil von organisierten Szenen in ganz Europa, in denen sie strategische Führungspositionen inne haben, den Anstoß für Gewalttaten geben, diese selbst (mit-)ausüben und ideologische Legitimationen liefern. Außerdem sind sie oftmals ein wichtiger Faktor für den sozioemotionalen Gruppenzusammenhalt und besetzen Schlüsselpostionen in diesen Bereichen. 
 
Silke Baer, MA Publizistik/Kommunikationswissenschaften/Nordamerikanistik, Dipl.(FH) Sozialarbeit u. Sozialpädagogik, zertifizierte Mediatorin. Baer ist Mitbegründerin und pädagogische Leiterin von cultures interactive e.V. (CI). Seit 2001 arbeitet sie in der Jugendkulturarbeit, Rechtsextremismus- und Gewaltprävention, konzeptioniert, leitet und evaluiert Modellprojekte. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Bearbeitung von rechtsextremen Phänomenen, Strategien der Präventions- und Distanzierungsarbeit, genderreflektierte Ansätze, Chancengerechtigkeit durch neue Bildungsansätze und Stärkung der politischen Teilhabe von Jugendlichen sowie sozialraumorientierte Konzepte. Sie ist u.a. berufenes Mitglied des Radicalisation Awarness Network (RAN) in der Arbeitsgruppe "Deradicalisation" und Mitherausgeberin von "Verantwortlich Handeln: Praxis der Sozialen Arbeit mit rechtsextrem orientierten und gefährdeten Jugendlichen" (Barbara Budrich Verlag, 2014).
 
Als Projektleiterin des EU-Projekt "WomEx, Frauen und Genderperspektiven in Extremismus, Prävention und Intervention" (2013-15) hat sie mit Kolleg_innen Erkenntnisse über die Rolle von (jungen) Frauen und von Gender - Perspektiven und Praktiken in rechtsextremen Szenezusammenhängen gesammelt und verschiedene Institutionen aufgesucht haben, um genderspezifische Bedarfe in der Präventions- und Distanzierungsarbeit zu ermitteln.